Plötzlich müssen wir Abschied nehmen von Rudolf Vayhinger.
Mit seinem unerwarteten Tod verlieren wir einen Menschen, der über viele Jahrzehnte ein fester Bestandteil des Musikvereins Poppenweiler war und dessen Geschichte maßgeblich mitgeschrieben hat.
Als der Musikverein Poppenweiler im Jahr 1958 gegründet wurde, war Rudolf damals in der Krone mit dabei. Er gehörte zu den Gründungsvätern unseres Vereins und was damals begann, entwickelte sich zu einer lebenslangen Verbundenheit, die über 68 Jahre Bestand hatte.
Er spielte über 41 Jahre aktiv das Flügelhorn und hat in dieser Zeit 9 Dirigenten miterlebt. Auch ich hatte noch das Vergnügen, mit ihm Musik zu machen. Unvergessen waren die Probenwochenenden, zu denen sein Weinfässle und der berühmte Nussa-Schnaps nicht fehlen durfte. Die Jüngeren waren schon lange im Bett, da schenkte er noch die Viertele aus. „Hajo wa, ois goht no, des nemm i nemme mit hoim!“
Er war Musiker aus Leidenschaft und trug dazu bei, die Gemeinschaft und das Wohlergehen unseres Vereins zu prägen. Geselligkeit ist mit das erste, das ich mit Rudolf verbinde: Ich habe noch so manchen Probenausklang in Vayhingers Wohnzimmerbesen miterleben dürfen und besonders die Einweihung unserer neuen Uniform an der Feier zu seinem 80. Geburtstag im neuen Feuerwehrgeräte-Haus bleibt Vielen von uns in lustiger Erinnerung.
Doch sein Engagement ging weit über die Musik hinaus. An der Entstehung des Ochsenfestes war er von der ersten Stunde mit beteiligt – Stichwort: das berühmte Abwassersystem am Festplatz. Als damaliger Mitarbeiter beim Tiefbauamt führte er die Bauaufsicht und dessen genauer Verlauf wusste nur er. Dass er noch vor 2 Jahren fast 90-jährig beim Aufbau des Festzeltes mitgeholfen hat, zeigt eindrucksvoll, wie eng seine Verbindung zum Musikverein und diesem Fest bis zuletzt geblieben ist.
Auch Vereinsausflüge organisierte er früher gerne. Er fuhr mit seiner Familie immer zuerst alle Stationen ab und freute sich, wenn er mit der ganzen Reisegesellschaft dann zusammen war.
Rudolf übernahm auch Verantwortung. Von 1978 an war er durchgehend 13 Jahre lang 2. Vorstand, zweimal hat er auch aus Personalmangel zusätzlich die Funktion des 1. Vorstands mit übernommen. Er setzte sich für den Verein ein, wenn Entscheidungen getroffen werden mussten und wenn angepackt werden musste, packte er an. Nicht, weil es jemand von ihm verlangte, sondern weil es für ihn einfach selbstverständlich war.
Und genau das war vielleicht eines seiner prägendsten Merkmale: Er war ein Schaffer. Neben seiner Familie, seinem Häusle und Wengert… wenn Hilfe im Verein oder in Poppenweiler gebraucht wurde, war er da.
Für viele von uns war er weit mehr als ein ehemaliger Musiker oder Funktionär. Er war auch ein Ratgeber; einer, der Erfahrungen weitergab – Einer, der die Geschichte des Vereins kannte wie kaum ein anderer und sie auch zu erzählen wusste.
Besonders am Herzen lag ihm die Entwicklung unserer Jugend. Er freute sich darüber, dass der Musikverein lebendig geblieben ist, dass junge Menschen den Weg zur Musik finden und dass die Arbeit der vergangenen Jahrzehnte weitergetragen wird.
Vor einem Jahr durften wir ihm bei unserer Musikshow „Spotlight“ zu seinem 90. Geburtstag ein großes musikalisches Ständchen bringen. Es war für ihn ein besonderer Moment. Heute sind wir dankbar, dass wir ihm diese Freude noch bereiten konnten, ebenso, dass er noch im Frühjahr den Ehrenabend miterleben konnte.
Lieber Rudolf, du hast den Musikverein Poppenweiler nicht nur begleitet. Du hast ihn mit aufgebaut, geprägt und getragen. Dein Einsatz, deine Hilfsbereitschaft und deine Treue werden unvergessen bleiben.
Wir werden dich vermissen – als Vereinskamerad, als Ratgeber, als Freund und als Mensch.
Im Namen des Musikvereins Poppenweiler danken wir dir für alles, was du für unseren Verein und für die Gemeinschaft getan hast.
Unser Mitgefühl gilt der gesamten Familie und wir wünschen ihr viel Kraft.
Wir werden dir immer ein ehrendes Andenken bewahren – Gute Reise.
— Verfasst von Anja Schindler —
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